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Christian Kreisel @ Art on Snow

Das Team von Art on Snow wird auch in diesem Jahr wieder eine Menge spannender Künstler im österreichischen Gasteinertal versammeln. Einer davon ist der Berliner Christian Kreisel.

Trotz der Vorbereitungen für das Kunstfestival in den Alpen hat er sich die Zeit für ein Interview mit MODART genommen.

 

M: Hi Christian, schön dass Du da bist! Wir sind alle ganz begeistert von Deinen Arbeiten, erzähl uns doch ein wenig über Deinen Werdegang als Künstler.

CK: Ich komme ja ursprünglich aus dem Graffiti Bereich und viele Dinge haben sich einfach ergeben. So hatte ich das Glück, zum Beispiel bei Martin Seidemann, einem ehemaligen Dozenten an der Kunstakademie Weißensee und beim Künstler Nikolai Makarov lernen zu können.

M: Du hast aber nicht den klassischen Weg der akademischen Ausbildung gewählt, sondern bei beiden jeweils mit im Studio gearbeitet. Warum?

CK: Ich fand die persönliche Betreuung der beiden besonders hilfreich. Man bekommt ein anderes Feedback, man arbeitet gemeinsam und es entstehen so ganz andere Symbiosen, man lernt einfach anders.

M: Parallel dazu hast Du damals auch Philosophie und Theologie studiert. Ist das auch für Deine Arbeit als Künstler wichtig gewesen?

CK: Mittlerweise hat sich bei mir eine neue Definition von Kunst entwickelt. Ich mache viele Aufträge, und Aufträge sind nicht unbedingt Kunst. Dafür braucht man Handwerk, es werden Ideen umgesetzt, aber die eigentliche Kunst ist es die Idee zu entwickeln.Und da ist die Philosophie sehr hilfreich gewesen, schon um ein abstraktes Vorstellungsvermögen zu entwickeln.Das Handwerk lernt man von Anfang an bei den Professoren und wenn man sich die Arbeiten anderer Leute anschaut.

Ich habe als Jugendlicher mit Graffiti angefangen, und da war es ganz essentiell sich die Sachen anderer Leute anzugucken.Dadurch lernt man viel.Aber Kunst ist eine Sache, die passiert im Kopf. Man darf das nicht voneinander trennen, aber der malerische Aspekt meiner Arbeit ist ein Handwerk. Und Kunst braucht daneben ja auch die abstrakte Idee.

M: Du bist in Berlin geboren und ein echtes Stadtkind. In Deiner Serie Heimat, die Du auch bei der Art on Snow zeigen wirst, finden sich Bilder, welche Bezüge zur Natur und zum Land zeigen. Inwiefern ist das ein Thema für Dich?

CK: Ja, es geht mir aber weniger darum, Natur abzubilden. Heimat ist ja viel mehr. Ich bin auf der Suche nach einer Definition von Heimat. Nach der Frage: Was ist Heimat? – Ein Gefühl, eine Erinnerung, ein Ort oder die eigene Identität? Aber als Stadtkind und vor allem als Kind von Eltern die in der Stadt leben, waren die Fahrten aufs Land sehr prägend. Ganz typisch: Am Wochenende packten wir alles in unser kleines Auto und fuhren in den Wald. Da wurden dann Campingstühle und der Tisch aufgestellt, die Kinder kraxelten auf den Bäumen rum und Mama und Papa sonnten sich und lasen Zeitung. Pilze suchen ist auch sowas ganz typisches für meine Kindheit. Im September sind wir eben in die Pilze gefahren. Das werde ich in nächster Zeit sicher auch noch mal bildnerisch umsetzen.

M: Wie siehst Du als gebürtiger Berliner die Entwicklung Deiner Heimatstadt?

CK: Berlin ist ne Stadt, die liebt und die hasst man. Wenn ich weg bin, vermisse ich Berlin, wenn ich hier bin, hasse ich es. Berlin verändert sich ganz stark. Immer werdend, niemals sein. Das ist natürlich auch spannend. Ich fand Berlin aus der Perspektive des Künstlers immer toll, aber mittlerweile wird die Stadt ausgeschlachtet, auf allen Ebenen. Kunst, Wohnungsmarkt, Partylocations. Wie kriegt man am meisten Geld aus der Stadt raus?

Ich hab da ein wenig Bedenken, dass wenn der Hype vorbei ist, und das wird er irgendwann sein, Berlin einfach ausgeblutet ist. Dann wird es die Kunst und viele anderes Sachen so nicht mehr geben. Vielleicht muss sie sich dann einfach wieder erneuern. Berlin ist ja wie ein Phoenix. Aber ein schwieriges Thema…Berlin.

M: Bist Du auch heute noch als Graffiti-Maler in der Stadt unterwegs?

CK: Heute mache ich hin und wieder ein paar Sachen, aber damals habe ich eine ganze Weile damit aufgehört.

M: Wie kam das?

CK: Ich wurde erwischt, saß in U-Haft, das ganze Programm. Ich stand in Handschellen mit der Polizei bei meinen Eltern vor der Tür, da hieß es dann: Wir müssen jetzt noch eine Hausdurchsuchung machen. Ich hatte Glück und habe danach schnell eine Auftragsarbeit bekommen, so konnte ich legal weitermalen. Von der Straße hab ich mich damals erst mal entfernt und angefangen auf Leinwand und Papier zu malen, einfach andere Sachen für mich entdeckt. Aber irgendwie kommt man auch vom Sprühen nicht los. Diese Schriftzüge wurden mir dann irgendwann zu langweilig. Die Styler würden da jetzt sicher sagen: oh nee, da kann man soviel machen. Kann man ja auch, aber ich wollte einfach andere Sachen machen, mich hat es gelangweilt. Dann hab ich angefangen mit Schablonen zu arbeiten.

M: Du bist in diesem Jahr zur Art on Snow in die Alpen eingeladen. Hast Du eine Verbindung zum Fun- und Extremsport, boardest oder skatest du?

CK: Früher war die Graffitiszene ja sehr eingebunden in die HipHop Community. Da gab es Breakdance, MCing, DJing und eben Graffiti und dann kam das Skateboarding dazu. Das war eben eine Community. Somit hatte ich dazu auch eine Verbindung. Und wenn man in den Bergen lebt ist Snowboarding halt das Pendant dazu. Ich selbst stell mich aber zu platt an um zu skaten. (lacht)

M: Wie kommt es zu der Kooperation mit der Art on Snow?

CK: Auch über freundschaftliche Verbindungen. Da spielte auch Das BEET in Friedrichshain eine Rolle. Ganz zufällig eigentlich. Den Jungs haben meine Arbeiten gefallen und so kam es zu der Einladung, was mich natürlich sehr freut.

M: Deine Kunst – besonders die Serie welche sich mir der Protestbewegung auseinandersetzt – ist eher in einem urbanen Kontext zu verorten, sowohl ästhetisch als auch inhaltlich. Wie ist es damit jetzt in die Berge zu gehen, in das doch eher beschauliche Gasteinertal?

CK: Für mich ist „Urban“ einfach außerhalb des eigenen kleinen (Wohn)Raumes, den man so hat. Deswegen glaube ich gerade in Zeiten der digitalen Vernetzung, dass wir überall auf der Welt sein können und wissen was los ist – es gibt ja eigentlich gar keine Abgeschiedenheit mehr. Ich finde es total spannend zu sehen wie die Leute dort auf die Kunstwerke reagieren werden, wenn sie eben nicht an Hauswänden auf der Straße kleben.

M: Ob die veränderte Umgebung Einfluss auf das Erleben der Arbeiten nehmen wird?

CK: Ja genau, in Berlin gehst Du in eine Galerie, aber die gleichen Sachen kannst Du auch auf den Straßen finden. Da hat man eben auch sehr viele visuelle Eindrücke. Bei der Art on Snow hat man diese Eindrücke in der Ausstellung, aber außerhalb davon kann man nochmal reflektieren. Ich kann mir vorstellen das ist viel intensiver, weil man nicht von den Eindrücken einer ganzen Stadt beeinflusst wird. Und ich bin natürlich wahninnig gespannt wie die Leute auf meine Heimatserie reagieren werden. Ich arbeite aktuell noch an zwei neuen Werken zu diesem Thema, welche ich erst vor Ort fertigstellen werde.

M: Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr darauf, Deine Arbeiten im Gasteinertal in einem anderen Kontext zu sehen! Vielen Dank für Deine Zeit!

 

 

 

 

 

 

 

 



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